Siegen durch Nachgeben

Das Wort Judo kommt aus dem Japanischen und bedeutet „der sanfte / flexible Weg“. Diese Kampfkunst und damit einhergehende Philosophie Siegen durch Nachgeben wurde von Jigoro Kano entwickelt und verbreitete sich im 20. Jahrhundert in der ganzen Welt. In den Mixed-Martial-Arts bekam Judo bis 2012 kaum Aufmerksamkeit. Das änderte sich allerdings schlagartig mit der Olympia 3. Platzierten von 2004 im Judo, Ronda Rousey. Der Hype um sie war allerdings nicht von Dauer. In MMA-Kreisen steht Judo nach wie vor stark in Kritik und wird kaum beachtet. Aber warum?

Judo im MMA

Durch das Tragen des traditionellen Kimonos ist Judo weniger MMA-spezifisch als bspw. Ringen. Außerdem verteidigt man sich im Ne-Waza (Bodenkampf) oft durch das starre auf dem Bauchliegen und durch Einziehen des Kinns, eine suboptimale Position für einen MMA-Kämpfer. Weiters war Judo ursprünglich kein Kampfsport, sondern vielmehr ein Erziehungssystem. Laut Jigoro Kano, ist Judo der Weg, seine geistigen und körperlichen Kräfte am effektivsten zu nutzen. Die zugrundeliegende Philosophie trägt also weit mehr Bedeutung, als es in anderen Kampfsportarten der Fall ist.

Was gerne vergessen wird ist, dass Judo eine enorm gute Konditionierungsmöglichkeit für MMA darstellt und hohe taktische Fähigkeiten gefragt sind, die sich unheimlich positiv auf dein Fight-IQauswirken.

Fight-IQ definiert die Fähigkeit, während eines Kampfes, die richtigen taktischen und strategischen Entscheidungen zu treffen.

Sogar einer der höchstgepriesenen Kampfsportarten des MMA, Brazilian-Jiu-Jitsu, stammt vom Judo ab. Grundtechniken des BJJ wie Arm Bars, Triangels, Kimuras und Amerikaner sind auch im Repertoire eines jeden gut ausgebildeten Judokas enthalten.

Der Begriff Judoka bezeichnet einen Judo-Kämpfer.

Um beispielsweiße in der World Judo Tour, der Championsleague des Judo, mitmischen zu können, muss man als Athlet neben einer beinahe fehlerfreien Technik auch unvorstellbar gute Konditionelle Fähigkeiten mitbringen.

Joe Rogan, Host von The Joe Rogan Experience und UFC-Kommentator, erklärt in einer seiner Episoden, warum es so viele gute Ringer in der UFC gibt. Als Hauptgrund dafür gibt er das Mindset der Ringer an, da sie durch das jahrelange, extrem-harte Training abgehärtet und sozusagen für die UFC vorbereitet wurden. Dasselbe gilt auch für Judo. Im Profi-Bereich sind Trainingsphasen mit 6 intensiven Trainings-Stunden täglich keine Seltenheit. Ein weiterer Vorteil, den Judo-Kämpfer in den MMA Sport mitnehmen, ist die Wettkampfroutine. In wenigen Vollkontakt-Kampfsportarten ist die Wettkampfdichte im Nachwuchsbereich höher.

Der Weight-cut

Wechselt man als Kämpfer vom Judo zum MMA, ist man auch schon auf das Gewichtmachen vor den Kämpfen gefasst. Zwar machen professionelle Judoka um einiges weniger Gewicht als MMA-Kämpfer, allerdings immer noch mehr als genug, sieht man sich die Zeit an, die den Athleten im Judo zwischen dem Weigh-in und dem Beginn des Wettkampfes gegeben wird, teilweise weniger als 12 Stunden. Zusätzlich hat man als Judoka phasenweiße, monatelang, fast jedes Wochenende einen Wettkampf, was bedeutet, dass man sich über enorm lange Zeitperioden im Weight-cut befindet.

Unser 1. Podcast-Gast beispielsweiße, Judo Bundesliga-Kämpfer bei den Galaxy Tigers Stefan Kudera, rechnete uns im Podcast vor, dass er sich in seiner aktivsten Zeit, die Hälfte des Jahres lang, im Weight-cut befand.

(Link zu Podcast mit Stefan Kudera)

 

Judo-Kämpfer in UFC / Bellator

Führt man sich vor Augen wie schwer es ist im Judo auf einem hohen internationalen Niveau mitkämpfen zu können und sieht man sich UFC / Bellator Kämpfer/innen wie Ronda Rousey, Kayla Harrison und Hector Lombard an, dann ist es kein Wunder, dass Khabib Nurmagomedov, in einem mitgefilmten Gespräch mit Henry Cejudo und weiteren hochdekorierten UFC-Kämpfern, behauptet, dass er sich mehr über eine Olympia-Goldmedaille im Judo, als im Ringen freuen würde.

Khabib: “Wrestling is very strong but Judo… Judo fighter are gentlemen. They are warriors.”

https://www.youtube.com/watch?v=UOoFeVgx-08&ab_channel=AnatomyofaFighter

 

Zusammengefasst kann man sagen, dass Judo ein wichtiger Bestandteil der MMA-Welt ist und einem als Kämpfer eine perfekte körperliche, taktische und mentale Basis bietet, um im Käfig bestehen zu können. Durch die umfangreiche Bewegungsschule des Judo, fällt es Judo-Kämpfern oft leichter andere Kampfdisziplinen zu lernen, da die koordinativen Fähigkeiten in den verschiedenen Techniken des Judo im Mittelpunkt stehen.

„Die Definition von Wahnsinn ist, die gleichen Dinge wieder und wieder zu tun, dabei aber auf unterschiedliche Ergebnisse zu hoffen.“

Falls du also bereits Kampfsportler bist und deinen Kampfsporthorizont erweitern möchtest, dann wird dir Judo auf jeden Fall dabei helfen können, deine mentalen wie physischen Fähigkeiten zu verbessern.